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WKSA 2023 – Die Hose

Beim WKSA des MMM Teams handelt es sich um einen Sew Along für Weihnachtskleidung und meine ersten beiden Einträge dazu könnt ihr hier nachlesen: die Planung und das Oberteil. Heute geht es um meinen zweiten Schnitt – eine Bundfaltenhose aus der Burda 11/2012 Nr.130.

Ratet mal, wie ich mit der Hose begonnen habe. Genau, mit einem Nesselteil. Keine Überraschung mehr bei mir, oder? Ich werde mir zukünftig mehr Mühe geben, etwas weniger vorhersehbar zu sein.

Erstes Nesselteil

Mein Hüftumfang schwankt in letzter Zeit etwas, weshalb ich maßlich zwischen den Größen 80 und 84 gelandet bin. Wundert ihr euch über die Zahlen? Ich zu Beginn auch. Die Hose ist in Langgrößen konstruiert und dafür werden die normalen Maßzahlen verdoppelt, eine Größe 80 entspricht also einer 40 in Standardlänge. Damit dieser Post nicht zu sehr ausufert, halte ich den Anfang kurz: das erste Nesselteil war eine 84 und sie war deutlich zu groß, nicht nur ein weiter Schnitt sondern einfach überall etwas zu viel. Geändert hatte ich hier nur, dass ich mich gleich zu Beginn für eine seitliche Öffnung der Hose entschieden habe. Ich wollte die Front nicht durch einen Hosenschlitz stören.

Nesselteil Größe 84

Zweites Nesselteil

Glücklicherweise sind bei Burda die Größen so auf den Schnittbögen verteilt, dass man aus einer 84 einfach eine 80 zuschneiden kann (daran könnte sich Pattydoo gerne ein Beispiel nehmen). Also Hose 84 wieder aufgetrennt, nochmal in 80 zugeschnitten und erneut geheftet. Das Ergebnis war deutlich besser, immer noch locker, aber vom Tragegefühl her schon gut. Die Länge ist übrigens nochmal um 8cm verlängert, nicht die originale Burdalänge.

Nesselteil Größe 80

Der Bund

In dem oben gezeigten Bild, kann man ihn schon sehen, den Formbund für diesen Schnitt. Wie ich euch schon öfter berichtet habe, sitzt ein gerader Bund bei mir nicht. Damit habe ich mich gar nicht erst mit dem Burdavorschlag befasst. Für gewöhnlich hätte ich wahrscheinlich einen Formbund von einem anderen Schnitt genommen, der dann aber ja auch nicht hundertprozentig passt. Dank Sams Post war ich aber motiviert es gleich von Anfang an richtig zu machen und habe einen Bund genau auf meine gewünschte Leibhöhe konstruiert. Das Ganze war allerdings erheblich weniger ernsthaft als bei ihr! Es war schwer mit Kugelschreibermarkierungen auf dem gesamten Bauch und Klebestreifen rundherum um die Taille ernst zu bleiben…

Um sicherzustellen, dass der Bund parallel zum Boden verläuft, haben wir (allein wäre das nicht vernünftig möglich) vom Boden nach oben gemessen und überall das gewünschte Maß angezeichnet. Auf diese Markierungen haben wir dann den geraden Stoffstreifen positioniert und, damit er nicht verrutschen kann, mit Klebeband fixiert. Dann erst kam der Schritt bei dem mit Stecknadeln und ganz vielen kleinen Abnähern eine Bundkurve gesteckt wird.

Interessanterweise bin ich entweder ziemlich schief oder die Toleranzen dieses ganzen Unterfangens haben sich doch deutlicher aufaddiert als erwartet. Die linke und rechte Seite hatten eine starke Abweichung. In dem unteren Bild kann man in lila meine Konstruktion sehen, in der ich beide Seiten einfach kombiniert habe. Da ich meist nachts nähe, müsst ihr mir bitte die schlechten Bilder meiner laufenden Arbeiten entschuldigen.

Das Nähen

Ich hatte bei der Hose das zweite Nesselteil etwas zu vorschnell als passend bewertet, das rächte sich leider, als ich die Schnittteile aus dem Twill zum ersten Mal zusammensetzte. Es war ein sehr massives Kleidungsstück. Der Admin brachte den Vergleich mit einer gefütterten Schneehose und das trifft es sehr gut. Es wirkte einfach nicht ’sleek voluminös‘, wie ich mir eine Marlenehose vorstelle, sondern ich hatte bei der Anprobe wirklich ein (Geh-)gefühl wie im Skioutfit. Bei den meisten meiner Nesselteilen ist der Nesselstoff deutlich steifer als der finale Stoff. Hier war es andersherum, der Twill ist steifer. Ich vermute, das dass auch dazu beigetragen hat, dass ich mit der Passform der fertigen Hose nicht zufrieden war. Ich habe also mal wieder an allen Ecken und Enden geändert:

geheftete Hose in Größe 80 vor den Änderungen
  • Die Balance des Bundes von vorne zu hinten stimmte nicht, also hinten um 1,5cm abgesenkt.
  • Die Poabnäher um rund 2cm verlängert, damit sie schöner liegen
  • Die Innenbeinnaht auf Höhe der Oberschenkel um rund 1,5cm rund auslaufend verschmälert und die Außenbeinnaht ebenfalls um knapp 1cm. Beides nur so weit, dass das Bein ein klein wenig leichter wirkt, ohne die Optik zu sehr zu verzerren.
  • Die beiden Bundfalten in der Front haben ich abgestuft auf 6 bzw. 8 cm geschlossen, damit es im Bundbereich etwas körpernäher ist und das große Beinvolumen wieder etwas ausbalanciert.
  • Die hintere Mitte um 1cm am Bund verschmälert und etwas konkav ausgearbeitet, damit sie sich an meine Rückenkurve anlegt (das waren aber nur wenige Millimeter)

Burda gibt an, dass der Oberschenkelbereich der Hinterhose gestreckt ausgebügelt werden soll, um die Länge der Schnittkante an die längere Kante der Vorderhose anzupassen. Das kann ich mir bei einem Wollstoff gut vorstellen und habe ich auch schon mal bei der Herstellung eines Jackets gesehen. Bei meinem Stretchtwill war das aber ein hoffnungsloses Unterfangen. Ziehen, Bügeln, Dampf, unter Spannung erkalten hat alles nicht viel geholfen. Ich habe somit einfach die Beinnähte unverspannt vernäht und hatte in der Länge halt einen kleinen Sprung, den ich anschließend begradigt habe. Weiß jemand warum das bei der Hinterhose gemacht wird?

Spannend war für mich auch das Nähen der hinteren Hosentasche, ich hatte bis dahin noch keine Paspeltasche genäht und habe mich darauf gefreut, das mal machen zu können. Zur Übung habe ich es auf einem Stoffrest getestet. Dabei habe ich die Ecken noch etwas zu zaghaft eingeschnitten, an der Hose konnte ich dann gleich mutiger einschneiden. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, vor allem weil ich die Taschenbeutel aus einem wunderbaren braunen Futter gemacht habe und ich mich über den rausblitzenden Glanz und die Haptik freue. Beim Schreiben fällt mir gerade auf, dass das Futter doppelt passt: es ist ein Rest meines letztjährigen Weihnachtsprojekts, meines Blazers.

Probetasche ohne Taschenbeutel

Meine Arbeiten sind leider nicht so gut gelaufen wie geplant, die vielen Änderungen waren zeitrauben, ich bin außerhalb meines Zeitplans. Meine Hose ist noch nicht fertig. Aber bis Weihnachten kann ich es ja noch aufholen. Damit sehen wir uns hoffentlich nächsten Sonntag mit einem fertigen Outfit wieder!

19 thoughts on “WKSA 2023 – Die Hose

  1. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie akribisch und ausdauernd du an deine Projekte rangehst. Absolut bewundernswert und die tollen Ergebnisse geben die jedes Mal mehr als Recht. Ich neige leider zur Ungeduld und zu „ach, ich mach das jetzt einfach mal so oder ich lass das jetzt so“ und das ist dann doch oft unbefriedigend. Vielleicht wäre ein richtiger Schnittanpassungskurs doch mal das Richtige für mich.
    Deine Hose ist auf jeden Fall großartig! Der Stoff sieht sehr edel aus.
    LG Miriam

    1. Ich fürchte den Tag, an dem ich euch mit meinen ausführlichen Proben langeweile. Wenn ich mir denke, ich lass das jetzt so, versuche ich meine spätere Unzufriedenheit zu visualisieren und mir dann vorzustellen, wie zufrieden ich im Gegensatz wäre, wenn ich es noch ändern würde. Klappt auch nicht immer, aber doch oft 😉
      Grüße, Tina

  2. Jemand benutzt meine Methode !?
    Ich mach mir hier gleich nen Sekt auf!!!
    Ohne Witz, das ist für mich super schön zu lesen nicht nur so ins Datennirvana des Internets zu schreiben.
    …und ich hätte ja gern ein Foto von den Kugelschreibermarkierungen und Klebestreife am Leib gesehen *grins*

    Schade, dass das Tragegefühl nicht so optimal ist, ich finde die Hose sieht echt cool aus, das hat genau wie deine Vorlage diesen Vintage Military Look. Ich bin sehr gespannt auf den Gesamtlook.
    Liebe Grüße,
    Sam

    1. Ich stoße mit Tee auf dich an!
      Mein Jammern ist ja immer sehr auf jedes kleine Detail bezogen. Aber ich bin davon überzeugt, dass das richtig gut wird.
      Grüße, Tina

  3. Ich bin auch sehr auf das Gesamtoutfit gespannt. Haha, und heute habe ich kaputte Bettwäsche gewaschen, die zu Nesselteilen wird. Mal sehen, wie ich das finde und ob das bei der nächsten Hose etwas bringt, nach deinem Beitrag bin ich da jetzt etwas unschlüssig. Die Farbe gefällt mir wirklich gut jetzt, lg Anja

    1. Nein, lass dich nicht von meiner kleinen Nachlässigkeit bei der Hose verunsichern. Wenn ich alleine überlegen, wie nützlich das Anfertigen eines Nesselteils bei der Bluse gewesen ist, kann ich es dir nur empfehlen, das mal zu probieren. Und ich bin gespannt auf die Nesselteilbilder!
      Grüße, Tina

  4. Vielen Dank für den spannenden Beitrag – hier wir gerade die Herrenversion einer solchen Hose (auch von Burda) genäht und insofern ist es für mich besonders interessant.. und gleichermaßen beruhigend, dass auch andere mehrere Nesselteile nähen.

    Ich bin sehr gespannt wie es am Ende zusammen aussieht, aber bislang ist alles sehr vielversprechend!

    Liebe Grüße, Anne

    1. Ich habe gestern schon dein Hemd für den Gatten bewundert, es ist so schön, bei dir auch Herrenmodelle zu sehen. Gerade wie schön der Stoff am Kragen aufspringt finde ich phänomenal.
      Grüße, Tina

  5. Das wird eine hübsche Hose, die Farbe gefällt mir. Ich nehme bei Bundfaltenhosen einen geraden Bund, wenn er direkt in der Taille sitzen soll. Bei Jeans nehme ich einen Formbund, den ich aus dem Grundschnitt ableite. Zirka zwei Zentimeter unter Taille parallel eine Linie ziehen und noch eine weitere für die Bundbreite, dann die Abnäher zulegen. Zur Kontrolle kann man noch mal am Körper anlegen.
    Die Hinterhose dehnen mache ich nie. Die leicht unterschiedlichen Längen ergeben sich irgendwie aus der Konstruktion.
    Viel Spaß weiterhin! Regina

    1. Ja, direkt in der Taille kann mit einem gerade Bund klappen, aber auch der steht mir dann im Rücken leicht ab. Diese Hose wollte ich aber wenige Zentimeter tiefer haben und da ist es dann spätestens vorbei mit einem geraden Bund.
      Gut zu wissen, dass nicht nur ich nicht dehne.
      Grüße, Tina

  6. Du gehst deine Nähprojekte ja wirklich sehr professionell an, was aber auch ziemlich zeitaufwendig aussieht. Was machst du mit den Probeteilen (was für ein witziger Stoff) – werden das bei dir alles Schlafanzughosen? Ich bin gespannt, wie zufrieden zu mit dem Endergebnis sein wirst.

    1. Ja, das stimmt, mit meinem Vorgehen gehöre ich nicht zu den Schnellnäherinnen. Das stört mich aber auch nicht, schließlich sind bei vielen von uns die Kleiderschränke eh voll, also habe ich da auch keinen Druck einen möglichst hohen Ausstoß zu erreichen und so bastele ich einfach an jedem Schnitt etwas länger rum, bis ich zufrieden bin.
      Der Stoff ist eine alte Kinderbettwäsche, deshalb die schicken Pferde 😉 Die Probeteile hebe ich auf. Gerade wenn man den Schnitt nochmal nähen will, aber vielleicht eine Kleinigkeit ändern will (Stichwort Pattern hacking) ist das sehr nützlich.
      Grüße, Tina

  7. Ich musste selber auch feststellen: „tall size“, egal, ob Burda, eine andere Schnittmustermarke oder RTW zielen auf 172-176 m grosse Frauen, sprich jenseits davon gibt es nur „Giraffe Size“… Aber darum näht Frau ja: um die eigene (Giraffen-)Größe herzustellen 🙂 danke für den Post!

    1. Ja, ich glaube auch, dass sie Definitionen von ‚groß‘ zwischen Industrie und den betroffenen Damen sehr unterschieldlich sind.
      Grüße, Tina

  8. Gerader Bund funktioniert wirklich nur ganz ganz selten, und nur ganz oben in der Taille. So akribisch wie Sam und nun auch du bin ich das allerdings noch nie angegangen, ich bastle meist einen Formbund von einem anderen Schnitt passend. Die Klebstreifen und Striche hätte ich ja gerne gesehen 😉 In der vermutlich sehr dünnen Bettwäsche kommen die Bundfalten viel weniger voluminös rüber als im dickeren Twill. Kann aber auch am ablenkenden Muster liegen 😉 Ich bin ziemlich sicher, dass du das noch zu deiner Zufriedenheit hinbekommst. Die Teaser-Fotos sind jedenfalls schon mal vielversprechend.
    Liebe Grüße, heike

    1. Ich zeige ja wirklich viele unvorteilhafte/nicht gestylte Bilder hier, aber das war dann sogar über meiner Schmerzgrenze 😀
      Ja, ich bin nicht über die Maßen traurig, wenn das schicke Pferdemuster verbraucht ist. Aber weil ich nichts verwendbares wegwerfe, wird es schon noch das ein oder andere Teil daraus geben…
      Grüße, Tina

  9. Deine Hose sieht doch sehr vielversprechend aus. Die Hinterhose dehnt man vom Schritt bis zum Knie, um ein bisschen Länge heraus zu nehmen. Dadurch schmiegt sich der Stoff unterhalb des Gesäßes besser an den Oberschenkel. Ist bei engeren Hosen wichtiger als bei weiten.
    LG, Stefanie

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