Abendkleid mit invertiertem Ausschnitt
Manchmal müssen ja mehrere Dinge zusammenkommen, um ein besonderes Projekt zu ermöglichen. In diesem Fall war es ein nicht mehr zu rettendes Abendkleid, die Inspiration eines Prêt-à-porter Kleides und ein Frocktails Event.
Aber in Ruhe von vorn. Diese Geschichte beginnt damit, dass mein wunderbares Kleid mit dem goldenen Brustpanzer leider nicht mehr zu retten war. Die weiße Viskose hatte gelbe Flecken unter den Armen, die die Handwäsche nicht mehr entfernen konnte. Gleichzeitig ließ aber der Seiden-Brustpanzer auch keine „gröberen“ Waschversuche zu. Um den tollen Rock zu retten, habe ich diesen abgetrennt und mit einem innenliegenden Bund wieder tragbar gemacht. Damit war der erste Schritt getan, ein feiner schwarzer Seidenrock hing in meinem Schrank.


Schritt zwei war eine Max Mara Inspiration (ja, mal wieder). Ein Brokatkleid aus einer alten Kollektion hatte einen schwarzen Rock und einen invertierten Ausschnitt. Ich habe es gesehen und wollte es haben. Spoiler: selbst wenn ich bereit wäre die Preise zu bezahlen, würde ich es nicht für Max Mara ausgeben. Letztes Jahr habe ich während eines Italienurlaubs eine Boutique von ihnen besucht und was soll ich sagen? Meiner Meinung nach entsprachen weder die Verarbeitungsqualität noch die Materialien den Preisen. Viele Teile aus reiner Kunstfaser, abstehende Fadenenden, Nähte bei denen die Teile nicht wirklich aufeinanderpassten etc. Ich war wirklich etwas aufgebracht, wie man diese „Qualität“ den Kundinnen anbieten kann. Aber wir können ja Nähen, also werde ich mich weiterhin von ihren Designs begeistern lassen, aber keines ihrer Stücke mehr aus der Nähe betrachten.
Was die Umsetzung dieser vagen Idee dann letztendlich vorangetrieben hat, waren die Frocktails in Basel. Schließlich wollte ich zu diesem Event in einem angemessenen Outfit gehen können. Ja, wir können darüber verhandeln, dass weniger auch möglich gewesen wäre, aber das wollte ich einfach nicht.


Plan war ein Oberteil mit einem invertierten Ausschnitt in der Front und dem Rücken zu nähen. Der Stoff dafür ist ein Bara Studio Brokat in königsblau-dunkelblau-schwarz-gold (einer dieser Stoffe, die man immer wieder bewundernd anschaut; schon unvernäht und jetzt auch im vernähten Zustand bewundere ich ihn). Invertiert? Ziel war es einen eher engen, geschlossenen Halsausschnitt zu haben und nach unten zur Taille sollte sich quasi ein Dreieck öffnen. Um das Oberteil optisch in Balance zu halten sollte es lange Ärmel bekommen. Ein Spiel aus freizügig und bedeckt. Wie ihr allerdings sehen könnt, haben die vorhergesagte Temperature mit über 30 Grad den Ärmelplan etwas verändert. (Vielen Dank an Jule für ihre spätabendliche Unterstützung meiner Ärmel-Zweifel!)
Zur Konstruktion des Oberteils habe ich meinen gut angepassten Oberteilschnitt verwendet. Die vorherigen Modelle aus diesem Schnitt sind (Klick auf das Bild bringt euch zu den Beiträgen):



Bei der Schnittkonstruktion habe ich von der Mitte hin nach außen konstruiert. Bedeutet, als erstes habe ich die Größe des Ausschnitts festgelegt (an der Taille eine maximale Breite von 10 cm) und mich von da weg an dem verwendeten Schnitt orientiert. Der Schnitt hat einen horizontalen und einen vertikalen Taillenabnäher. Da ich Sorge hatte, dass der vertikale Abnäher die Optik stören könnte, habe ich diesen nach ein paar verschiedenen Nesselteilversuchen als französischen/schrägen Abnäher in die Seitennaht rotiert. Es wären sonst die schräge Ausschnittkante und die vertikale Linie des Abnähers zu dicht nebeneinander gewesen. Schräg auf gerade hätte unschön sein können.

Die Schwierigkeit des ganzen Projekts bestand darin, die losen Kanten des Ausschnitts soweit wie möglich an den Körper zu bringen. Einerseits habe ich dazu die Kanten mit Stäbchen versteift, andererseits trägt der Rock mit seinem Gewicht dazu bei, sie nach unten zu ziehen. Beziehungsweise würde er das, wenn ich den Rock an beiden Seiten symmetrisch angenäht hätte. Eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn im Hotel hat das allerdings nicht mehr einwandfrei geklappt. So seht ihr, dass eine Seite etwas mehr Länge hat als die andere.
Geschlossen wird das Kleid mit einem Magnetverschluss im oberen Rücken, die Armausschnitte habe ich mit Belegen und den Kragen mit Schrägband verstürzt.
Ich freue mich mit diesem Kleid zum MeMadeMittwoch im Juni tänzeln zu können. Es ist sehr schade, dass ich euch die Bilder der beiden Frocktails Fotografen noch nicht zeigen kann, sobald wir sie bekommen haben, ergänze ich vielleicht noch ein paar. Ich hatte viel Freude mit dem Kleid und habe mich unter all den nähenden Damen damit sehr wohl gefühlt.